Wochenberichte
Seit 2007 unverzichtbar: die wöchentliche nuancierte Marktbeobachtung.
Winter is coming
Der Kontrast könnte größer nicht sein: Die AI-Welle lässt keinen Ort aus, die neue Technologie lockt mit unermesslichen Produktivitätsfortschritten, völlig neuen Lebensperspektiven und radikalen Brüchen mit der Vergangenheit. Gleichzeitig dominieren Zweifel. Zweifel, ob die Kredite für AI-Infrastruktur irgendwann zurückgezahlt werden, ob sich die Entrepreneure nicht übernommen haben oder die Kontrolle entgleitet. Zeitgleich entfesseln die Großmächte so viele Kriege, wie seit 100 Jahren nicht, können Staaten ihren Aufgaben mangels Geld immer weniger nachkommen. Revolutionen verlaufen niemals gradlinig. Gerade scheint es trotz Glatteises kräftig zu ruckeln – also Spikes anschnallen!
Ikonische Brillen
„… denn sie wissen nicht, was sie tun“ – James Dean setzte 1955 eine Ray-Ban auf, und sie war nie wieder wegzudenken. Ray-Ban und Luxottica machten das Geschäft daraus. Meta kann ikonische Marken gut gebrauchen. Kaum ein Konzern strahlt die amerikanische Beliebigkeit mehr aus. Gemeinsam entsteht gerade eine transatlantische Vision der Brille des 21. Jahrhunderts. Ob mit oder ohne Muse, wird sich noch zeigen. Ob sich Mark Zuckerberg und Leonardo Maria Del Vecchio (LMDV) verstehen, ist auch nicht bekannt. Beide suchen definitiv die mediale Öffentlichkeit. Letzterer, um den Familienstreit öffentlich auszutragen. EssilorLux ist einer der größten italienischen Konzerne. Der Auftritt im Pulp-Podcast (Titelbild) ist deshalb auch ein Politikum! Mit Konsequenzen für den Kapitalmarkt.
Kein IPO zum Frühlingsanfang
In Sydney stirbt das größte australische IPO seit Telstra 1997 — eine Randgröße im Megazahlen-Segment, gerade deshalb die Erdung des Zyklus. _Firmus_ zieht den Börsengang bei angepeilten dreißig Milliarden Dollar Valuation zurück. Gleichzeitig legt China richtig los. Mega-Datacenter entstehen in der Mongolei. Im Westen mehren sich die Fragezeichen, ob der Tragfähigkeit der Investments, China dagegen schreitet planmäßig voran, schaut nach rechts, dann wieder gerade aus. Natürlich werden die Chips fertig, bevor die Rechenzentren in Betrieb gehen sollen … Außerdem: Luxus + Weihnachtsgeschäft + AI = Trend?
Safety Net
Koalitions-Chaos in Berlin, ökonomisch sinnlose Maßnahmen einer im Selbstverständnis wirtschaftsnahen Regierung; explodierende Renditen für französische Staatsanleihen und Straßenschlachten um die Qualität der Schul- und Universitätsbildung bei unserem westlichen Nachbarn und ein planloser US-Präsident. Drei Regierungchefs, unfähig die Scherben ihrer politischen Fehlentscheidungen aufzusammeln. Das Ergebnis: Der Westen im Krisenmodus. Aktienpreise sind (noch) stabil. Es ist aber an der Zeit, Sicherheitsnetze auszuwerfen – in Australien, Kanada und/oder Singapore – auch geographisch möglichst entkoppelt.
Der schlafende Riese
Nein, nicht der prachtvolle Galloway-Bulle des Titelbildes ist gemeint. Es geht um _Tencent_. Der Konzern glänzt mit phänomenalen Fundamentaldaten. Der Aktienpreis preist scheinbar eine unmittelbar bevorstehende Intervention des Politbüros in Peking ein. Die sehr vorsichtige Implementierung von AI-Features in WeChat ist gegenwärtig der größte Trumpf. Je öfter autonome Agenten der US-Konzerne aus ihren Umgebungen ausbrechen, desto stärker wird die Position _Tencents_. In der westlichen Hemisphäre zeigt _Meta_ aktuell, wie man mit einem unterdurchschnittlichen LLM (Muse) brilliert. Das ist die Blaupause für die AI-Integration in WeChat.
Tankrabatt, Krypto und SmartGlasses
Eigentlich wäre der Hexensabbat am vergangenen Freitag das Top-Thema gewesen. Statt dessen: 21 Uhr – Friedrich Merz verkündet den Tankrabatt 3.0 – per Mail. Getreu dem Motto: Wir haben zweimal erkannt, dass so was nicht wirkt, beim dritten Mal klappt's bestimmt. Das ist ähnlich wie bei _EssilorLuxottica_: Tolle, zukunftsfähige Produkte, aber eine Familienfehde überdeckt alles und treibt die Bewertung immer weiter in den Keller. Positiv heben sich Ethereum und Bitcoin ab, die beide charttechnische Kaufsignale ausgebildet haben.
Geld wird teurer
Steigende Zinsen überall. Und verzweifelte Versuche, die offensichtlichste Konsequenz, höhere Kosten für die Schuldentilgung, abzumildern. In den USA zieht der Finanzminister alle Register – und scheitert auf ganzer Linie. Die Situation erinnert an die Spätphase des Vietnamkrieges, als die US-Staatsverschuldung zuletzt völlig aus dem Ruder lief. Damals war Nixon Präsident. Auch er machte ständig neue Nebenkriegsschauplätze auf, um vom eigentlichen Problem abzulenken.
Alle Wege führen nach Asien
Es ist eigentlich ganz einfach. Gas ist (und bleibt) teuer, der Trend geht zu Wärmepumpen. Das sollte auch in der Vermögensallokation abgebildet werden. Ein europäischer Hersteller ist scheinbar schnell gefunden. Blöd ist nur, dass ausgerechnet die Spekulation auf eine Wärmewende ein Geldgrab wurde. Jetzt wendet sich der Konzern nach Asien – und die Aktie vollzieht eine Bodenbildung. Egal wie man es anstellt. Immer wieder geht die Reise nach Asien.
Kempten – Isny
Die historische Bahnstrecke zwischen diesen beiden Orten zeigt exemplarisch Chancen und Risiken des derzeitigen AI-Booms. Dort fahren heute Radenthusiasten und Touristen durchs wunderbare Allgäu. Geplant war es anders. Die aktuellen Zahlen von _Nvidia_ beschwören heutige AI-Phantasien. Vieles ähnelt aktuell dem Boom der Gründerzeit. Diese ging bekanntlich abrupt im Wiener Börsenkrach unter.
Zahlen, Daten, Fakten
In Asien ist jetzt Regenzeit bzw. Winter. Unternehmen präsentieren ihre Jahresergebnisse, die ähnliche Wirkungen entfalten wie Veröffentlichungen in Europa im Februar. _CSL_ präsentierte durchwachsene Zahlen – die Aktie machte aber genau deshalb einen Freudensprung. Ebenfalls im Pharmabereich überraschte Moderna mit einer effektiven mRNA-Impfung gegen Schwarzen Hautkrebs. Auf einmal sind alle für deutlich mehr mRNA-Forschung. Der Aktienpreis von Moderna reagierte – wie gewohnt – extrem volatil. Und schließlich Walmart. Die schwache Verbraucherstimmung bahnt sich ihren Weg in die Bilanz und beschert der Aktie einen historischen Tagesverlust.
Gezeigt werden die zehn letzten Berichte. Ältere sind vollständig vorhanden und über ihre Nummer erreichbar: /week/NNN.