Wochenbericht 39

IPO Gewitter

Jahrelang gelang es charismatischen Firmengründern, institutionelle Investoren zu immer neuen Investitionsrunden zu überreden und die Bewertung ihrer StartUp-Unternehmen in die Höhe zu katapultieren. Diese Firmen gehen nun an die Börse – und floppen ein ums andere Mal. Jetzt reißen erste Investoren die Zügel der Macht an sich.

(Mallnitz, 28.9.) In der letzten Woche beschäftigte sich Hieronymus mit dem Phänomen WeWork. Kaum verfasst, spitzt sich die Lage dort dramatisch zu.

IPO-Ticker

  • WeWork nach dem Kollaps des Börsengangs:
    • Massenentlassungen (10% der Belegschaft wurde bereits entlassen)
    • Absenkung des Kreditratings auf CCC+ (nur bei günstiger Entwicklung ist kein Ausfall zu erwarten)
    • Entlassung des CEO’s
    • Stop der Expansionsstrategie
  • Poleton baut Hometrainer. Nach dem Börsendebüt: -14%.
    John Faley, CEO Poleton vor dem IPO:

    We are prioritising growth over profitability for the next few years.
    You say losses and cash burn; I say investments.

  • Endeavor sagt den Börsengang ab.
    2017 investierten der Canadian Pension Fund und der Staatsfonds aus Singapore insgesamt 1 Mrd. $ in das aufstrebende StartUp. Endeavor ist eine Talentagentur für Schauspieler. Dessen Bewertung stieg parallel zum kometenhaften Aufstieg von StreamingDiensten. Nun konsolidiert auch Netflix, das Flagschiff der Branche. Obwohl das Geschäftsmodell von Endeavor solide ist und die Firma Gewinne ausweist, musste der Börsengang mangels Investoreninteresses abgesagt werden. Ansonsten hätten die beiden Ankerinvestoren Wertberichtigungen vornehmen müssen.

  • Teamviewer. Trotz massiver Kurspflege der Hausbank: -8 % am ersten Handelstag. Der Börsengang reiht sich nahtlos ein in den Trend der Alteigentümer, ihre Engagements zu versilbern. Bei Teamviewer kommt erschwerend hinzu, dass es sich um ein klassisches Value-Unternehmen handelt, ohne wirkliche Perspektiven auf rasantes Wachstum.
    (Update: 9.10.2019: Den Konsortialbanken gelingt es nicht, den Aktienkurs zu stabilisieren. Die Aktie gibt weiter ab.)

  • EQT. Es gab immerhin einen Börsengang, der vom Markt positiv aufgenommen wurde: Der Private-Equity-Arm der Wallenberg-Familie ging in Stockholm an den Start. Die realisierte Marktkapitalisierung von 7 Mrd. € ist eine Homage an die Professionalität des Managements, das von dem Familienimperium abseits der Öffentlichkeit aufgebaut wurde.

Für ein Investment in Private-Equity kann nun unter sieben seriösen, börsengelisteten Unternehmen gewählt werden: Apollo, Charlyle, Oaktree, Tikehau Capital, Blackstone, Brookfield und EQT weisen Marktkapitalisierungen oberhalb einer Milliarde Euro aus.
Hieronymus denkt über ein Investment in diesem Marktsegement nach.

Die Woche an den Finanzmärkten

  • Kampf um Investoren. Staatsfonds und Pensionskassen reduzieren aktiv ihre Beteiligungen an Unternehmen des fossilen Zeitalters. Im Kampf um Investoren verbessern diese scheinbar ihre Attraktivität. Beispiel Total: Das französische Energieunternehmen hat seine Dividendenausschüttung jetzt verdoppelt. Zukünftig will man jährlich fünf bis sechs Prozent des Börsenwerts in Form von Dividenden ausschütten. Wie geht das? Zur Finanzierung veräußert man aktiv Geschäftsanteile, das ist modernes Kanibalentum.

  • ETF-Marktreform. Es gibt zwar bereits mehr ETF’s als börsengehandelte Unternehmen. Das reicht aber nicht. Im Zuge der Markt-Liberalisierung der Trump-Admini­stration hat die US-Börsenaufsicht SEC die regulatorischen Anforderungen für die Emission von ETF’s deutlich reduziert. Es ist nun fast so leicht, einen ETF zu emittieren, wie ein Zertifikat. Der eigentliche Grund für die Reform dürfte die Zurückhaltung der Investoren sein. 2019 flossen bislang 140 Mrd. $ in börsengehandelte Fonds, 22% weniger, als 2018.

  • Insider verkaufen. Meldepflichtige Verkäufe von Aktienpaketen von Führungskräften und Vorständen summieren sich seit Jahresbeginn auf 19 Mrd. $. Bleibt der Trend erhalten, dann hätten Insider bis zum Jahresende eigene Firmenanteile im Wert von 28 Mrd. $ abgestoßen, mehr als irgendwann nach 2000. Prominente Verkäufer: Die Walton-Familie (Walmart), Führungskräfte von Estee Lauder und Lululemon.