Stablecoins

Digitale Zukunft

Stablecoins

Bis 2020 waren Blockchains kaum mehr als eine Spielerei. Dann gelang es, die ersten Bankprozesse kosteneffizent umzusetzen. Stablecoins, die Bindeglieder zwischen der realen Welt und dem Krypto-Space, boomen seitdem. Sie öffnen Renditequellen jenseits der Krypto-Spekulation.


In dieser Artikelserie stellt Hieronymus die Basics des Krypto-Marktsegments vor.

Stellar ist eine auf Payments spezialisierte Blockchain (Marktkapitalisierung: 5,4 Mrd. €, Jan. 2022). Das Ziel ist, den Transport von »Value« zwischen zwei Vertragsparteien so einfach wie möglich zu gestalten. Es wird eine digitale Reproduktion beliebigen Geldes übertragen: Fiat-Währungen, Edelmetalle und auch Kryptowährungen. Die Blockchain kann mehrere Millionen Transaktionen pro Sekunde ausführen.

Seit Herbst 2021 nutzt Moneygram die Blockchain für grenzüberschreitende Überweisungen. Die Kosten gehen mindestens um den Faktor 10 zurück. 2022 soll der gesamte Zahlungsverkehr über das Stellar-Netzwerk abgewickelt werden. Der gesamte Überweisungsprozess umgeht dann den konventionellen Devisenhandel, inclusive SWIFT.

Dies ist der vorerst letzte Schritt in der dynamischen Entwicklung des Stablecoin Marktsegments.

Abbildung 1: Entwicklung des Handelsvolumens in StableCoins (Quelle: https://www.theblockcrypto.com/data/decentralized-finance/stablecoins), 20. Januar 2022

Etwa 8 bis 10 % der Marktkapitalisierung des gesamten Krypto-Marktsegements entfallen auf Stablecoins. Stablecoins könnten in Krypto-Space eine ähnliche Rolle einnehmen, wie Cash im übrigen Finanzmarkt. Das Verhältnis von Bargeld zu gebundenem Kapital beträgt dort 1:3. Die Bedeutung von Stablecoins könnte deshalb noch steigen.

Off-Chain Stablecoins

Sie heißen USDT, USDC oder BUSD und versprechen digitale Doppelgänger des US-Dollars zu sein. Im Grunde handelt es sich um klassische Geldmarktfonds. Anstatt Fondsanteile können Anleger Krypto-Coins kaufen. USDT (Tether) hat eine Marktkapitalisierung von etwa 80 Mrd. $ und wird von einer kleinen, 2014 gegründeten Firma gemanagt. Es gibt immer wieder Spekulationen um die Qualität des Collaterals, Hieronymus vermutet, weil Tether keine Bank ist. USDC, der zweitgrößte Stablecoin, wurde jüngst von Coinbase übernommen und BUSD, die Nummer Drei, gehört zu Binance.

Off-Chain Stablecoins sind echte Zwitter. Sie stehen mit einem Bein im klassischen Kapitalmarkt. Mit dem anderen sind sie Teil des Krypto-Space und ermöglichen global fast risikofreie, zeit- und kosteneffiziente Geldüberweisungen.

On-Chain Stablecoins

Vollständig digital sind die als algorithmisch bezeichneten Stablecoins, deren Collateral als Kryptowährung (u.a. als Off-Chain-Stablecoin) vorliegt. Beim Produktdisign sind der Phantasie der Softwareentwickler keine Grenzen gesetzt und nichts ist im Krypto-Space so anziehend, wie Erfolg und Handelsvolumen: Arithmetische Stablecoins schießen wie Pilze aus dem Boden. Geradezu inflationär wird die Bezeichnung »Überdeckung« des verwendeten Collaterals zu Marketingzwecken benutzt.

Der größte und bekannteste On-Chain Stablecoin ist DAI. Interessant: Der Stablecoin wird von der Maker DAO gemanagt. Sämtliche Entscheidungen werden von den Investoren des MKT Coins verantwortet. Der StableCoin ist ein Ethererum-Smart-Contract, dem öffentlich einsehbare Collateral-Blockchainadressen zugeordnet sind. Die Maker DAO Investoren haben entschieden, dass stets eine Überdeckung des Collaterals existieren muss. Nur dann ist sichergestellt, dass der Stablecoin auch in volatilen Marktphasen zuverlässig an den Wert des US-Dollar gekoppelt ist. AlgoFi, ein zum Jahreswechsel 2021/22 aktivierter DeFi-Lendingmarktplatz geht mit dem hauseigenen STBL-Stablecoin einen ähnlichen Weg.

Die Gefahren des Managements eines Stablecoins durch eine DAO zeigen sich gerade auf der, im Cosmos Ökosystem angesiedelten Digitalwährung LUNA (Terra-Blockchain). Der Marktwert von LUNA deckt das gesamte Ökosystem innovativer Finanzprodukte. Dort lockt man Anleger mit hohen LiquidityPool- und Staking-Renditen in den UST-Stablecoin. Das Ergebnis: Der Stablecoin dominiert im Januar 2022 mit über 30% der Marktkapitalisierung aller Terra-Währungen die Blockchain. Der »Erfolg« des UST könnte das gesamte Terra-Ökosystem destabilisieren. Die KAVA-Blockchain ist noch aggressiver unterwegs. Der dortige Stablecoin hat mit der eigentlichen Idee kaum etwas gemein.

Bei On-Chain Stablecoins kommt es auf die Details an. Vor Benutzung ist ein Blick in das Whitepaper ratsam. Ist eine Überdeckung des Collaterals wirklich sichergestellt? Ein Blick auf den Kursverlauf in Relation zur FIAT-Währung ist wenig aussagekräftig.

Renditechancen mit LiquidityPools

Jede Infrastrukturblockchain ermöglicht den Wechsel der Hauswährung in die Standard-Stablecoins. Je volatiler diese Hauswährung ist, desto höhere Renditen verspricht ein Investment in einen LiquidityPool.

Abbildung 2: Rendite von Stablecoin-Liquidity-Pools, Snapshot 20. Januar 2022

In der Übersicht sind die erzielbaren Renditen für die Bereitstellung des Liquidity-Pools Blockchain-Währung / Stablecoin für ein Jahr zusammengestellt. Die Renditeerwartung basiert auf (in der Summe) konstanten Marktpreisen für die Blockchain-Währung und konstanten Handelsumsätzen im jeweiligen Währungspaar.

Ein Investment in einen solchen LiquidityPool ist interessant, solange die Kryptowährung nicht stärker fällt, als die ausgewiesene Rendite. Steigende Krypto-Notierungen sind weniger problematisch. Selbst eine Preisverdopplung steht einer positiven Rendite nicht entgegen.

Spezialfall: Stablecoin vs. Stablecoin

Unter Investmentgesichtspunkten sind LiquiditätsPools mit zwei Stablecoins interessant. Beide »Beine« des Pools versprechen eine 1:1-Kopplung an einen FIAT-Währung (meist USD). Der eine Stablecoin ist On-Chain, der andere Off-Chain. Die Marktpreise beider Coins schwanken in engen Grenzen. Für die Stabilität algorithmischer On-Chain-Stablecoins ist die Existenz ausreichender Liquidität in diesen Währungspaaren essentiell. Entsprechend interessant kann dies für die Vermögensanlage sein.

Diese Form einer lukrativen Geldanlage hat leider ein Verfallsdatum, zumindest auf der Algorand Blockchain. Das dortige Leuchturmprojekt AlgoFi kündigte für das zweite Quartal 2022 einen speziell für Stablecoin/Stablecoin-Swaps programmierten Algorithmus an, der die Fees um den Faktor 100 senken soll, siehe AlgoFi-Blog.

Stablecoins vs. digitales Zentralbankgeld

Die Frage ist nicht mehr, ob digitale Abbilder offizieller Landeswährungen Zahlungsmittel werden, sondern wann. China hat den digitalen Yuan bereits eingeführt – als Insellösung. Es gibt keine digitalen Brücken zu den Blockchains. Das wird bei den digitalen Währungen der Industriestaaten anders sein. Höchstwahrscheinlich übernehmen klassische Banken die Funktion der Validatoren und werden mit Staking-Erträgen belohnt.

Haben Stablecoins dann noch eine Daseinsberechtigung?

Klare Antwort: Jein. Genauso wie der Hongkong-Dollar eine Existenzberechtigung neben dem US-Dollar hat. Außerhalb Hongkongs hat diese Währung keinerlei Relevanz. Der US-Dollar findet dagegen weltweite Akzeptanz.
Die Verwendung gedeckter Off-Chain-Stablecoins macht keinen Sinn, wenn es die Wahl zwischen einem »richtigen« digitalen US-Dollar und einem Anteil an einem USD-Geldmarktfonds gibt.

Ganz anders ist die Situation bei algorithmischen Stablecoins. Deren Haupteinsatzzweck ist die Bereitstellung eines leicht zugänglichen Collaterals für die Kreditvergabe. Akzeptiert man die Hauswährung der Blockchain als Collateral, ist ein überdeckter algorithmischer On-Chain-Stablecoin essentiell für die Stabilität des Gesamtprozesses. Sowohl der Marktführer Aave als auch AlgoFi arbeiten auf diese Weise.

(Letztes Update: 29. Januar 2022)

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