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Wochenbericht 7

Klimainvestitionen auf dem Weg zum Mainstream

In Europa elektrisiert der EU-Green-Deal, in den USA reagieren gestandene Republikaner auf den zunehmenden Druck der Wallstreet und fordern eine Kehrtwende in der Klimapolitik. Überall richtet sich der Blick nach vorn.

(Stuttgart,15. Februar) Hieronymus wurde zu einem Nutzerkongress eingeladen. Im Anschreiben fand sich eine Überraschung.

Klimaschutz steht ganz oben auf der Agenda.

Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich das anfangs für die Eröffnung geplant, um dann zügig zu den „eigentlichen“ Themen zu kommen. Aber dann wurde in beinahe jedem Gespräch mit den Referenten klar, wie massiv das Thema FM & Real Estate angeht. Und auch mit welcher Intensität und Ernsthaftigkeit es überall verfolgt wird!

EU Green Deal: Die Vorgaben sind knackig, die Möglichkeiten vielfältig, Fördermittel greifbar und damit ändern sich Herangehensweisen, Investitionsszenarien und Anforderungen an den Betrieb auf allen Ebenen.

Schon aus diesen einleitenden Sätzen springt ein offensichtlicher Paradigmenwechsel heraus. Obwohl die Mittel längst nicht verabschiedet sind und die Förderprogramme noch vage – in der Industrie rumort es.

Die Vordenker in der Gebäudebewirtschaftung (früher Hausmeisterdienste) – bisher bekannt für Lohndumping und Outsourcing in Richtung Osteuropa – sehen im EU-Green-Deal einen Motor für große Kostenreduzierungen. Diese erzielt man mittels klimaschonender Maßnahmen, die sich jetzt günstig finanzieren lassen. Das ist exakt der Katalysator-Effekt, den die EU-Kommission anstrebt.

Diese kleine Anekdote zeigt exemplarisch, wieso sich die Stimmung in der Industrie trotz konstant unbequemer geopolitischer Rahmenumstände immer besser wird. Die Ankündigung des EU Green Deal wird als 100 Mrd. Euro Konjunkturprogramm interpretiert, dass man sich auf keinen Fall entgehen lassen möchte. Ein weiterer Beweggrund: Aktiver Klimaschutz wird ein immer wichtigerer Wettbewerbsfaktor, in der Kunden- und der Investorkommunikation. Warum also nicht die niedrigen Zinsen für Investitionen genau hier nutzen?

USA: Klimaschutz trotz Austritt aus UN-Klimaschutzvertrag?

Angenommen, D.T. wird im Herbst wieder gewählt. Steht ihm dann ein ähnliches Schicksal bevor, wie Ronald Reagan, seinem Idol? Diesem ward völlig unerwartet die Ehre zuteil, im Dialog mit Mikhail Gorbachev den Kalten Krieg mit der UDSSR zu beenden.

Die Geheimwaffe CLC

An der Wallstreet tut sich nämlich erstaunliches. Nachdem Blackrock vor kurzem offen ankündigte, nur noch nachhaltige Investitionen zu tätigen, beeilen sich die anderen Vermögensverwalter, auf diesem Gebiet eigene Akzente zu setzen. Sammelbecken für die Anstrengungen ist das Climate Leadership Council(CLC), eine bislang unbedeutende Initiative, die für einen Zertifikatehandel und Klimazölle wirbt. Dort versammeln sich neben ehemaligen FED-Vorsitzenden (Yellen), die meisten Großbanken, prominente Hedge-Fund-Manager und neuerdings auch republikanische Senatoren. Die Vorstellungen des CLC stehen größtenteils auch im Grundsatzprogramm der bundesdeutschen Grünen: Auszahlung einer Klimadividende an alle Haushalte (2.000$/a), Mindestpreise für Verschmutzungszertifikate (40 $) und danach jährliche Steigerung um 5 Prozent.

Während die Klimadebatte in Europa immer noch ein linkes Thema ist und von konservativen Kreisen ausgebremst wird, wettstreiten in den USA Linke und Rechte um ihre Rolle im Klimaschutz.

Finanzmärkte auf Klima-Kurs

Abbildung 1: Preisverlauf der Exxon Mobil und des EuroStoxx50 seit 2017 im Vergleich

Die Abb.1 zeigt seit eine deutliche Underperformance der Exxon Mobil gegenüber marktbreiten Indices, hier des EuroStoxx 50. Dies lässt sich durchaus mit der immer dominanteren Klimadebatte begründen, in deren Verlauf die Forderungen nach Disinvestments in Unternehmen des fossilen Zeitalters umgesetzt wurden. Der Chart zeigt für die Exxon gegenüber bereits seit 2018 eine Underperformance. Exxon steht Pate für den Energie-Sektor, der insgesamt eine deutliche Underperformance aufweist.

Die Wallstreet stimmt mit den Füßen ab. Kein US-Präsident kann gegen die US-Kapitalmärkte regieren. Eine Kurskorrektur der Klima- und Energiepolitik US-Administration auch unter D.T. ist nur eine Frage der Zeit.

Die Woche an den Finanzmärkten

  • China: Konzertierte Aktion von Fondsgesellschaften.
    Insgesamt 39 Fondsgesellschaften investierten öffentlich 390 Mio. $ in von ihnen aufgelegten Fonds. Mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme wollen die Manager ein Zeichen des Vertrauens in den chinesischen Kapitalmarkt setzen. Selbst in China glaubt niemand an die Freiwilligkeit dieser Maßnahme. Der chinesische Staatsapparat zieht alle Register, um einen Preiseinbruch am lokalen Aktienmarkt abzuwenden.

  • Barcelona: Mobile Word Congress abgesagt.
    Das alljährlich in der letzten Februarwoche stattfindende Gettogether der Mobilfunkbranche, der Mobile World Congress mit mehr als 100.000 Besuchern, wurde abgesagt. Die großen Telekomunternehmen hatten sich zuvor zurückgezogen. Das ist ein kleiner Rückschlag für die Konjunktur in Spanien: In Barcelona allein fehlen etwa 500 Mio. € Umsatz. Huawei wäre der größte Aussteller gewesen. Wer die Kosten für die nun vergebliche Vorbereitung trägt ist ebenso ungewiss, wie die Begleichung von Schadensersatzforderungen von Hotelbetreibern.

    Der Messebetreiber schätzt, dass an den vier Messetagen üblicherweise etwa eine Million Meetings stattfinden. Deren ökonomischer Wert wird in den nächsten Monaten sichtbar werden – falls vorhanden.

    Spannend ist, ob dies der Auftakt für die Absage der großen Frühjahrsmessen ist. Die Fluggesellschaften weiten die Unterbrechungen des Linienverkehrs mit Hongkong und China inzwischen in den März aus und auch Japan gerät mehr und mehr in den Fokus. Die Vorbereitungen für Olympia laufen auf Hochtouren – wehe wenn der Coronavirusausbruch nicht rechtzeitig eingehegt werden kann.

  • Eurozone: 0,1 % Wirtschaftswachstum im vierten Quartal.
    Am Freitag veröffentlichte EuroStat die finale Prognose für das Wirtschaftswachstum im letzten Quartal 2019: 0,1 %. Das ist der niedrigste Wert seit der Staatsschuldenkrise 2011-13. Dies rechtfertigt die Geldpolitik der EZB, nicht aber die Kursstände am Aktienmarkt.

  • Globale Konjunktur: Auswirkungen des ShutDown Chinas.
    Inzwischen dämmert es den ersten Auguren, dass der wirtschaftliche Schaden des Virusausbruchs in China mit jedem Tag signifikanter wird. Donald Trump wird alles daran setzen, die US-Konjunktur bis zum November auf Wachstrumskurs zu halten. Am Freitag äußerte Larry Kudlow, der Handeslbeauftragte D.T.’s, dass das Virus 0,2 bis 0,3 % von US-GDP abziehen könnte. Das ist mindestens doppelt so viel, wie die Deutsche Bank noch am Vortag schätzte.

  • KraftHeinz: Buffet diktiert Dividendenzahlung.
    Hochpreisiger Ketchup und anderes ungesundes Zeug, das ist das Produktspektrum von HeinzKraft. Ein typischer Vertreter ehemals dominanter multinationaler US-Lebensmittelkonzerne. Berkshire Hathaway ist Großaktionär (27 %) und bestimmt zusammen mit der brasilianischen 3G Group (20 %) die Geschicke. 2015 erzwang 3G die Übernahme von Kraft Foods durch Heinz. Die Kosten: 40 Mrd. $. 28 Mrd. $ wurden über Anleihen finanziert, die längst nicht abgelöst sind. Die Jahresergebnisse 2019 waren ernüchternd: Der Umsatz sank beispielsweise um 5,1 %. Man muss Goodwill an kürzlich übernommenen Marken abschreiben und spürt die zunehmende Skepsis gegenüber US-Produkten im Ausland. Der Aktienkurs hat sich auf Jahressicht fast halbiert. Warren Buffet verfügte, dass trotz allem die Dividende konstant gehalten wird, schließlich sei sie erst vor einem Jahr um ein Drittel gekürzt worden. Das kostet dem Unternehmen 2 Mrd. $ und spült fast 1 Mrd. $ in die Kassen von Berkshire und 3G. So schlachtet man ein Unternehmens aus. Auch die Rating-Agenturen sehen das so: Das Kreditrating wurde auf »Junk« gesenkt, was die Refinanzierung der laufenden Verbindlichkeiten deutlich erschwert.