(nicht klimaneutrales) Food Delivery by George Tan on Flickr.com

Wochenbericht 2

Food Delivery: Konsolidierungsphase!

Am Markt für Essensbringdienste geht es turbolent zu. Die einen meinen, ein Geschäftsfeld gefunden zu haben, dass enorme Perspektiven aufweist und stellen Unsummen bereit. Auf der anderen Seite steigen die Notierungen bei Firmen, die in Bieterwettkämpfen unterliegen.

(Stuttgart, 11. Januar) Der letzte reguläre Wochenbericht vom 21.12.2019 erwähnt den Wechsel von Travis Kalanick, Ex-Uber-CEO, zu CloudKitchens, einem StartUp, dass Infrastruktur für digitalisierte Restaurants bereitstellen will. CloudKitchens will zum McDonalds des 21. Jahrhunderts werden. Zur Erinnerung: McDonalds stellt den Ladenbetreibern das Gebäude, die Marke, die normierten Produkte und deren Preise zur Verfügung. Das unternehmerische Risiko trägt der Ladenbetreiber. Das börsengelistete Unternehmen ist Vermieter und Lizenzgeber.

Im Wochenbericht 50 berichtete Hieronymus über den Zusammenschluß von Delivery Hero und Beamin. Obgleich nationaler Champion, sah das koreanische StartUp Beamin kaum Wachstumspotenzial und machte hierfür die extreme Konkurrenz verantwortlich. 3-Jahreschart der Just Eat Dreijahreschart von Just Eat

Die britische Just Eat befand sich in einer ähnlichen Position, wie Beamin. Im Juli 2019 – der Aktienkurs stand unterhalb 650 Pence – verkündete die niederländische Takeaway, Just Eat für 9 Mrd. £ übernehmen zu wollen. Der Aktienpreis stieg schlagartig auf 800 Pence.

Bis Oktober 2019 ging die Notierung von Just Eat wieder auf 600 pc zurück. Die eigentliche Ursache war das Mißtrauen der Aktionäre von Takeaway. Da die Übernahme von Just Eat mit Takeaway-Aktien bezahlt werden sollte, sank mit jedem Preisrückgang der Takeaway Aktie der Wert des Übernahmeangebots.

Prosos betritt das Spielfeld

Der Naspers-Ableger mit Sitz in den Niederlanden hat Food Delivery als einen Investmentschwerpunkt auserkoren und Beteiligungen an Delivery Hero, der brasilianischen ifood und dem indischen Marktführer Swiggi aufgebaut.

Nun sah Prosus seine Chance, bei Just Eat zum Zuge zu kommen. Angesichts des offensichtlichen Mißtrauens der Aktionäre von Takeaway hoffte man mit einem Angebot von 710 pc pro Aktie (4,9 Mrd. £) die Aktionäre von Just Eat zu überzeugen. Im Dezember erhöhte man das Angebot sogar auf 5,5 Mrd. £. Am Freitag lief die Annahmefrist hierfür aus. Takeaway, der Rivale, hatte sein Angebot inzwischen nachgebessert und auf 6 Mrd. £ aufgestockt. Dieses Angebot wurde letztlich von den Aktionären von Just Eat akzeptiert.

Preisverlauf der Prosus seit der Emission Preisverlauf der Prosus-Aktie seit der Emission

Der Aktienkurs von Prosus erzählt die Geschichte aus der Sicht mißtrauischer Aktionäre. Als das Prosus-Management sein Übernahmeangebot für Just Eat um 600 Mio £ erhöhte, markierte die Aktie ihre bisheriges Low. Die Reaktion des Managements von Just Eat war weiterhin ablehnend. Also war die Chance auf eine erfolgreiche Übernahme durch Prosus eher gering. Der steigende Aktienkurs im Dezember spricht Bände.

In der vergangenen Woche wurde das Übernahmeangebot von Prosus erwartungsgemäß abgelehnt – der Aktienkurs von Prosus hat gleichzeitig das Niveau des Börsengangs erreicht. Zumindest die Aktionäre sind froh, dass der Krug eines weiteren Food-Delivery-Service-Unternehmens im Portfolio weitergereicht werden konnte. Angenehmer Nebeneffekt: Den Preis der Übernahmeschlacht zahlt der Gewinner. Das Geld geht an die ehemaligen Aktionäre von Just Eat und fehlt in der Kriegskasse des fusionierten Unternehmens. Davon profitieren die drei Unternehmen im Prosus-Beteiligungs­portfolio.

Die Woche an den Finanzmärkten

  • GrubHub stellt sich zum Verkauf.
    Im April 2014 war GrubHub eines der ersten börsengelisten Lieferservicedienstleister. Der Börsengang erfolgte zu 31 $. Im August kostet eine Aktie mehr als 140 $. Im Oktober 2019 nur noch 32 $. Die Konkurrenz in dem Sektor ist gnadenlos. Das Management sieht wenig Chancen, als Nischenanbieter profitabel zu arbeiten und stellt sich mangels kapitalkräftiger Interessenten öffentlich zum Verkauf. Die Aktie steigt daraufhin um 12 Prozent.

    Alphaville, der Finanzblog der FT rechnet genüßlich vor, dass der aktuelle Marktpreis (52 $) völlig überzogen ist. Unter Berücksichtigung gezahlter Preise für Konkurrenzunternehmen (Beamin, Just Eat, Caviar) kommt man auf einen fairen Wert von 34 $ pro Aktie. Drei Dollar mehr, als zur Emission im Jahre 2014.

  • Delivery Hero wird klimaneutral.
    Zum Abschluß des Food Delivery-Schwerpunkts: Ab Januar 2020 wird der operative Betrieb des Essenslieferserices komplett klimaneutral sein. Der Dienstleister setzt bekanntlich auf Fahrradkuriere und hat deshalb einen Vorsprung vor anderen Lieferdiensten. Zunächst werden Klimagasemissionen in Europa durch ein Investitionen in ein Waldaufforstungsprogramm am Amazonas ausgeglichen. Das Ziel ist aber, den ordentlichen Geschäftsbetrieb in situ klimaneutral zu gestalten.

  • Casper bläst zum Börsengang.
    Matratzen online kaufen – ein Markttrend? Casper will es wissen. Obwohl Gewinne noch nicht in Sicht sind, will man die weitere Expansion durch einen Börsengang finanzieren. Der Offline-Konkurrenz hat man in den letzten Jahren das Fürchten gelehrt. Mattress Firm, das US-Pendant zur hiesigen Matratzen Concord, ging 2018 spektakulär pleite – 3000 Outlet-Shops mussten schießen.

    Casper liefert die Matratzen bevorzugt über Showrooms bei den großen US-Ketten Cosco und Target aus, wo die Kunden die Matratzen ausprobieren können. Target ist ein Anker-Investor. Was das revolutionär Neue an dem Geschäftsmodell ist, das eine Marktkapitalisierung jenseits einer Milliarde Dollar rechtfertigt, erschließt sich Hieronymus nicht. Woher das Wachstum in einem Verdrängungswettbewerb kommen soll, ebenso wenig.

  • US-Handelsdefizit auf dem Rückzug.
    Pünktlich zum Auftakt zur heißen Phase des US-Wahlkampfes erfahren die Republikaner weiteren Rückenwind. Das Handelsdefizit sinkt im November 2019 im Jahresvergleich um 8,2 Prozent. Exporte weiteten sich um ein Prozent aus, Importe sanken um 0,7 %. Die Importe aus China gingen sogar um 10 Prozent zurück.