Wochenbericht 33

Japan geht voran

Japan war das erste Land, das BitCoins als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert hat. Nun schicken sich die Banken dort an, Cryptowährungen gleichrangig zu behandeln, wie US-Dollar und Euro.

Stuttgart, 21. August 2021.
Banken hatten von Beginn an den Anspruch, mehr zu sein, als nur Sammelstellen von Geld. Heute sind Bankdienstleistungen größtenteils in den digitalen Raum gewandert und man arbeitet hart daran, auch die übriggebliebenen personalen Dienstleistungen zu automatisieren.

Decentralized Finance ist die Eintrittskarte der Banken in die digitale Zukunft. Die Vision: Das Bankkonto dient nicht mehr nur zur Verwahrung von Geld und Investments. Auch Besitzverhältnisse werden dort verwaltet. Schlüssel für alles: die allgegenwärtige Blockchain.

Wenn Cryptowährungen wie Währungen behandelt werden, ist die Frage berechtigt, worin der Mehrwert einer Cryptocurrency gegenüber einer Landeswährung beträgt. (FIAT)-Landeswährungen repräsentieren die Summe der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft. Eine Kryptowährung leitet ihren Wert aus dem Wertschöpfungspotenzial für digitale Geschäftsprozesse ab. Je mehr digitale Anwendungen auf der jeweiligen Blockchain marktfähig werden, desto wertvoller ist auch die Digitalwährung.

Coinbase kooperiert mit Mitsubishi UFJ

Mitsubishi UFJ ist die größte Bank Japans, Coinbase eine in den USA gelistete Crypto-Handelsplattform. Coinbase-Aktien werden seit April an der Nasdaq gehandelt.

Zukünftig können Vermögensverwaltungskunden der japanischen Großbank direkt Cryptowährungen kaufen, vergleichbar mit Tausch in Dollar oder Euro. Mitsubishi UFJ plant, den Service auf andere japanische Banken auszuweiten. Falls alles planmäßig verläuft, kann man in Japan bald in jedem Anlagedepot direkt Cryptowährungen halten. Misubishi UFJ integriert den Handel mit Cryptowährungen in das normale Bankanlagegeschäft des Landes.

Nächster Schritt: Cryptoassets

Mit dieser Kooperation wird das Marktsegment Crypto noch ein Stück weiter in den normalen Finanzmarkt hineingezogen. Man benötigt kein separates Konto bei einem nicht regulierten, finanzschwachen Finanzdienstleister, kann Cryptowährungen halten, wie derzeit Gold.

Cryptowährungen unterscheiden sich jedoch fundamental von Gold. Ethereum beispielsweise ist die Basis für ein wachsendes Ökosystem digitaler Anwendungen. Es ist absehbar, dass auch Investments in diese Zukunftsinnovationen bald der üblichen Kontrolle der Finanzaufsicht unterliegen und deren Dienstleistungen über normale Bankkonten zugänglich werden.

»Decentralized Finance«, das eigentliche Kerngeschäft von Ethereum, bietet den Banken ein kaum absehbares Dienstleistungspotenzial. Man denke nur daran, dass die Ethereum Blockchain weltweit Eigentumsrechte abbilden kann. So könnte ein Fahrzeugschein auf das Bankkonto »gebucht« werden, genauso wie der Grundbucheintrag für das Eigenheim, ganz zu Schweigen vom Unikat, dass in der (Wohn-)Küche hängt.

Konsolidierung am Crypto-Markt Japan

Japan war 2017 das erste Land, dass BitCoin als offizielles Zahlungsmittel akzeptierte. Heute sind dort 31 Crypto-Broker aktiv. Coinbase hat im Juni eine Banklizenz erhalten. Mitsubishi UFJ ist seit 2016 Ankerinvestor bei Coinbase. Da es zukünftig keine Notwendigkeit mehr gibt, ein separates Cryptokonto zu haben, ist eine Marktbereinigug dieses Segments absehbar.

Ethereum-Software-Update

In der Old-Economy schauen alle auf die Handlungen der Zentralbanken. Jedes öffentliche Wort der Repräsentanten dieser mächtigen Institutionen wird auf die Goldwaage gelegt. Zinsentscheidungen bewegen Preise, begründen Trends oder beenden diese.

Die digitale Entsprechung von Zinsentscheidungen sind Software-Updates. Am 5. August wurde ein umfangreiches Software-Update (EIP 1559) eingespielt. Die Vergütung von Minern wurde verändert und der Übergang zur Proof of State-Technologie vorbereitet. Desweiteren werden ab jetzt inflationär Ethereum-Token verbrannt. Technisch werden dafür Token auf digitale Müllhalden verschoben.

Mit jedem Software-Update entfernt sich Ethereum technologisch von BitCoin. Solange beide Währungen auf der Proof of Work-Technologie basieren, bleibt die hohe Korrelation bestehen. Mittel- und langfristig hat Ethereum aber das deutlich größere Potenzial. Die relative Outperformance der letzten Monate dürfte anhalten.

Abbildung 1: Relative Wertentwicklung Bitcoin/Ethereum

Je kleiner der Quotient BTC/ETH, desto größer ist die Outfperformance von Ethereum.

Mysterium Goldpreisentwicklung

Im März 2020 kletterte der Goldpreis auf über 2000 Dollar pro Unze. Inzwischen pendelt das gelbe Edelmetall um 1800 Dollar pro Unze. Es hat sich ein Abwärtstrend ausgebildet.

Abbildung 2: Goldpreisentwicklung (5 Jahre)

Der schwächere Goldpreis ist die eigentliche Überraschung des Jahres 2021.

Die Notenbanken in Europa, den USA und Japan drucken unablässig neues Papiergeld. Die Staaten verstärken den Geldregen durch einen Wettbewerb in expansiver Fiskalpolitik. Wenig überraschend steigt die Inflation.

Dieses Umfeld ist prädestiniert für eine Rallye in »sicheren Häfen, insbesondere in Edelmetallen.

Tatsächlich weisen Gold-ETF’s in Europa allein im Juli 2021 Nettozuflüsse von etwa 1 Milliarde Dollar aus. In den USA überwiegen aber die Abflüsse (402 Mio $). Etwa 11 Tonnen Gold wanderten in die Tresore der ETF-Fondsverwaltungen.

In der klassischen Interpretation ist der Goldpreis mit der Entwicklung realer Marktrenditen korreliert. Diese berechnen sich durch Abzug der Inflationsrate von der Rendite von Staatsanleihen. Sie sind in den USA moderat und in Europa stark negativ und haben im Juli jeweils ein neues Allzeittief ausgebildet.

Abbildung 3: Reale Marktrendite seit 2000

Der Goldpreis sollte in diesem Umfeld mangels Alternativen prosperieren.

Das passiert aber nicht. Mehr noch: Auch die Marktbewertung für Goldminen ist rückläufig. Diese Assetklasse dient vielfach als Frühindikation für die Goldpreisentwicklung.

Ausdruck eines Wechsels der Assetallocation?

Mit Verweis auf den vergangenen Wochenbericht (Digitales Gold) könnte man spekulieren, dass der Goldmarkt Opfer der Entdeckung der Crypto­währungen für den Finanzmarkt ist. Je mehr die großen Cryptocurrencies aus der Schmuddelecke herauskommen, desto offensichtlicher werden die Vorteile gegenüber physischen Edelmetallen. Falls physische Goldkäufe in den digitalen Raum verlegt wurden, erklärt sich das Preismuster.

RobinHood: Fragen nach Börsengang

Nach dem Börsengang (s. Wochenbericht 30) stieg der Aktienpreis kurzzeitig um mehr als 100 Prozent. Es wurden Erinnerungen an die heiße Phase der Meme-Stocks wach, die von enthusiastischen Privatzockern urplötzlich in epochale Preisregionen getrieben wurden.

Abbildung 4: Preisentwicklung der RobinHood Aktie seit IPO

Seitdem kennt der Aktienpreis aber nur eine Richtung. Kapital fließt kontinuierlich ab.

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Broker ernüchternde Quartalsergebnisse.

Anstatt von seinen Kunden Provisionen für die Verarbeitung von Aufträgen zu verlangen, verkauft der Broker den Orderflow an Hedge-Funds. Diese können dann legales Front-running betreiben, also Aktien kaufen und verkaufen, bevor die Privatanleger tätig werden.

Der Erlös aus diesem Geschäft ging um 26 Prozent auf 52 Mio. $ zurück. Gleichzeitig stiegen Provisionserlöse aus dem Options- und Kryptowährungshandel auf 451 Mio. $. Bei näheren Hinsehen unterscheidet sich der Broker also kaum von der Konkurrenz. Der kostenlose Aktienhandel ist schlicht ein Incentiv, Geld verdient man mit klassischen Produkten.

In einem Punkt unterscheidet sich RobinHood aber sehrwohl von der Konkurrenz: Die durchschnittliche Kontogröße beträgt gemäß BrokerChooser 5.000 $. Charles Schwaab weist ein durchschnittliches Depotvolumen von 225.000 $ aus.

Vergleicht man abschließend die Bewertungen der beiden Broker, wird das Dilemma von RobinHood deutlich: Charles Schwab handelt zu einem KGV von 22, RobinHood 155.