Wochenbericht 17

BitCoins und das Grundrecht auf Emissionen

Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen: Klimaschutz ist ein Grundrecht. Der Staat muss lenkend eingreifen, falls Entwicklungen diesem Grundrecht entgegenstehen. Dies führt zur interessanten Frage, wie es mit den BitCoin-Handel weiter geht. Fakt ist: Der Betrieb des Cryptocurrency-Zoos verursacht enorme Abgasmengen. Wer mit BitCoins spekuliert, ist direkt für die Emissionen verantwortlich. Muss ein BitCoin-Spekulant zukünftig auch Emissionszertifikate bereithalten?

Stuttgart, 1. Mai 2021.

Es ist Berichts- und Hauptversammlungssaison. Die Newsticker quellen über mit (meist) überzeugenden Quartals- und Jahresberichten. Fairerweise muss betont werden: Die Erwartungen waren pandemiebedingt sehr niedrig. Es ist also vergleichsweise leicht, die Analysten zu einer euphorischen Berichterstattung zu motivieren.

Dennoch treten die großen Indizes auf der Stelle oder sinken leicht. Gute Zahlen im April sind eben auch ein Anlass, Kasse zu machen. Sell in May war niemals logischer, als 2021. Wohl auch deshalb halten die Notenbanken an ihren massiven Anleiheaufkäufen fest. In den USA will ein gigantisches Infrastrukturprogramm zinsgünstig finanziert sein und Europa ist im Vorfeld der Finanzierung des Aufbaufonds auf gewogene Kapitalmärkte angewiesen. Das zieht im Falle von Preissenkungen bei Aktien wie auch bei Anleihen sehr schnell einen stabilen Boden ein. Hieronymus erwartet deshalb einen unspektakulären Sommerhandel mit perspektivisch leicht zurückgehenden Notierungen.

Zeit, sich Grundsätzlichem zuzuwenden.

Klimaschutz und BitCoins

Gier frisst Hirn. Nirgends gilt dies mehr, als auf den Crypto-Währungs-Märkten. Selbst überzeugte Klimaaktivisten scheuen nicht vor Spekulationen mit BitCoins und anderen virtuellen Währungen zurück. Es ist ja auch so einfach: Rufe mit dem Smartphone die Seite eines Brokers auf, klicke wie in einem Videospiel hin und her und schwupps ist das Vermögen gewachsen.

Nirgends steht, dass hierdurch sehr viel mehr Kohlendioxidemissionen getriggert werden, als durch noch so viele Investments in grüne Projekte oder gar Eigeninitiative im privaten Bereich wieder eingespart werden könnten. Gleiches gilt für den Wunsch, einen Tesla zu besitzen, oder – wenn dies nicht möglich ist – zumindest dort Aktionär zu sein.

Die Causa Tesla

Am 21. Januar lobte Elon Musk, CEO von Tesla, ein Preisgeld von 100 Mio. $, für die beste Kohlendioxidabscheidetechnologie aus der Atmosphäre oder den Weltmeeren aus. Ferner sollten die Wettbewerbsteilnehmer sich in nachhaltigen Speichertechnologien für das abgeschiedene Klimagas messen.

Das brachte ihm einige Lobpunkte aus der Klimabewegung ein, die dem Thema Kohlenstoffabscheidung eher skeptisch gegenüber steht und sich statt dessen auf die Vermeidung von Emissionen konzentriert.

Nur eine Woche später wurde leider klar, warum Musk auf Kohlenstoffabscheidung drängt: Er entschied, dass Tesla massiv in BicCoins investiert. Seitdem können Tesla-E-Mobile auch mit BitCoins bezahlt werden. Pikant: Im Dezember 2020 hatte Tesla über eine Aktienplatzierung fünf Milliarden Dollar eingesammelt. Hierfür scheint man keinerlei operative Verwendung zu haben. Anstatt eine strategische Beteiligung einzugehen, die das Kerngeschäft stärkt, oder andere Verbindlichkeiten zu tilgen, macht man eine spekulative BitCoin-Position auf.

Wir erinnern uns: Der größte Aktivposten in der Tesla-Bilanz war bisher der Verkauf von Emissionszertifikaten an andere Automobilhersteller. Diese Ertragsquelle fällt weg, je mehr die Konkurrenz eine eigene E-Flotte aufbaut1. Der Verkauf von selbst hergestellten PKW kann die Bewertung von Tesla niemals rechtfertigen. Deshalb ist es nur logisch, dass sich Musk nach anderen Preistreibern umschaut.

Bislang geht die Strategie auf. Die aktuelle Quartalsbilanz weist einen Erlös von 518 Mio.$ aus dem Verkauf von BitCoins aus.

Damit müsste die Aktie eigentlich sofort aus allen ESG-Fonds entfernt werden. Schließlich gibt es kaum etwas Dreckigeres, als Investments in CryptoCurrencies.

Un dies abzuwenden wendet Tesla einen Taschenspielertrick an: Die Aussage zum Erlös aus dem BitCoin-Handel sind für Suchmaschinen und anderen automatischen Textauswertesysteme nicht auffindbar. Der Alpahville-Blog fand heraus, dass dieser eine Satz als Image in die Veröffentlichung der Quartalszahlen eingefügt wurde.

Die ESG-Scoreing-Institutionen haben ihre Bewertungen dennoch angepasst. Tesla kommt im ESG-Rating deutlich schlechter weg, wie die ach so wenig umweltbewußte Daimler.

Abbildung 1: Refinitiv-ESG-Scores für Tesla
Abbildung 2: Refinitiv-ESG-Scores für Daimler

Selbst aktienaffine Börsenbriefe rümpfen ob der Taschenspielertricks bei Tesla inzwischen die Nase. Die Tesla-Aktie wird von einigen bereits als Proxy für die Preisentwicklung von Cryptocurrencies angesehen. Elon Musk liebt ja bekanntlich die Maskerade und hat Vorlieben für skurriles. Hat er es jetzt übertrieben und sein Blatt endgültig überreizt?

CO2-Fußabdruck von BitCoins

Die Universitiät von Cambridge hat einen Service aufgesetzt, der die Leistungsaufnahme des Betriebs des BitCoin-Netzwerks in Echtzeit anzeigt. Zur Erinnerung: Um eine Transaktion auf einer BlockChain abzuwickeln muss ein Block eingefügt werden. Dieser wird von BitCoinMinern errechnet. Anschließend wird die neue BlockChain an alle bisherigen Nutzer der Chain gesandt. Der Rechenaufwand für die Erzeugung neuer Blöcke ist bekannt, ebenso der Aufwand für die Aktualisierung der Informationen auf den diversen, verteilt vorliegenden BlockChains.

  • Eine BitCoin-Transaktion verbraucht so viel Energie, wie 680.000 Kreditkartentransaktionen2
  • Die Herstellung von BitCoins selbst erfordert doppelt so viel Energie, wie das Schürfen von Gold3.

Der durchschnittliche Energieeinsatz für das Schürfen eines Kilogramms Gold beträgt 215 Gigajoule3. Rechnet man konservativ und nimmt den Strommix 2017 für Deutschland (485 g CO2/KWh) als Maßstab, landet man bei einer Kohlendioxidemission von 29,5 Tonnen pro Kilo Gold.

  • Die Herstellung eines BitCoins setzt 59 Tonnen Kohlendioxid frei.
  • Die Emissionen für das Schürfen und den Betrieb des BitCoin-Netzwerks addieren sich zu 51.5 Megatonnen Kohlendioxid pro Jahr (entsprechend den Emissionen von Schweden)4.
  • Der jährliche Energieverbrauch addiert sich zum Gesamtverbrauch der Niederlande(1,1 GWh).

Kohlendioxidabgabe für Besitz und Handel mit Cryptowährungen

Das mit Abstand bedeutendste Ereignis der vergangenen Woche ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Verletzung der Grundrechte nachwachsender Generationen durch zu wenig ambitionierte Klimaziele in der Gegenwart. Die Bedeutung dieses Urteils bringt der Krautreporter auf den Punkt

Das Gericht argumentiert: Wir sehen jetzt, dass später drastische Einschränkungen aller Freiheitsrechte geschehen müssen, wenn im Klimaschutz zu wenig getan wird. Deshalb ist das Klimagesetz der Bundesregierung verfassungswidrig. Klimaschutz wird einklagbar.

In letzter Konsequenz heißt dies auch: Der Gesetzgeber muss klimaschädliches Verhalten unterbinden.
Da Cryptowährungen keinerlei realen Nutzen stiften, rauben sinnfreie Spekulationen mit diesen über den massiven CO2-Fußabdruck zukünftigen Generationen Grundrechte. Hier ist mindestens eine Strafbesteuerung angebracht. Wenn die Regierung nicht tätig wird, können gesellschaftliche Gruppen und Einzelpersonen dies einklagen. Die Emissionen sind keine Peanuts, ihre Vermeidung wäre ein erheblicher Schritt in Richtung einer klimaneutralen Gesellschaft.

  1. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen ein Gleichgewicht zwischen Erträgen aus eigener Produktion ( 438 Mio. $ ) und dem Verkauf von Emissions-Zertifikaten (518 Mio. $). Die Erträge aus der Automobilproduktion rechtfertigen niemals eine Marktkapitalisierung von 641 Mrd $, egal in welchem Tempo die Produktion ausgeweitet wird. . 

  2. Der Guardian hat die ökologischen Auswirkungen der schönen neuen Cryptowelt im Februar 2021 eindrucksvoll auf den Punkt gebracht. 

  3. Nature Sustanability. 1/2018, p. 711-718  2

  4. Quelle: digiconomist.net. Dort wird der Energieverbrauch für das CryptoCurrency-Universum mit dem der Niederlande gleichgesetzt und der Energieverbrauch einer Transaktion mit der von 750.000 konventionellen Kreditkartenzahlungen gleichgesetzt. Das Schürfen eines BitCons setzt danach 137 Tonnen CO2 frei. Die Diskrepanz der Berechnungen liegt die Annahme der überwiegenden Nutzung von Kohlestrom zugrunde. Dies ist jedoch nicht korrekt, da beispielsweise CryptoMiner in Island und Paraguay mit Wasserkraft arbeiten.