Digitale Zukunft

Mining und Staking

Bei verteilten Anwendungen herrscht Neoliberalismus. Alles hat seinen Preis, für alles gibt es einen Markt. Wer eine Leistung für die Gemeinschaft erbringt, wird dafür vergütet. Staking von Kryptowährungen bietet planbare Erträge und ist eine echte Alternative zu Anleihen-Investments.


In dieser Artikelserie stellt Hieronymus die Basics des Krypto-Marktsegments vor.

Ein Traum wird wahr: Im digitalen Zeitalter »arbeitet« Geld! Was bisher Banken vorbehalten war, ermöglichen dezentrale Anwendungen für jedermann.

Böser Neoliberalismus?

In Europa assoziert man Neoliberalismus mit sozialer Ungleichheit und gesellschaftlichen Konflikten. Die neoliberale Phase des späten 20. Jahrhundert warf viele aus der Bahn und ermöglichte einigen ein angenehmes Leben. Zwanzig Jahre später könnte eine Renaissance einsetzen. Die Attraktivität der FDP bei junge Menschen ist auch Ausdruck einer Bereitschaft, alles mit einem Preisetikett zu versehen.

Krypto-Space ist Neoliberalismus in Reinstform.
Es ist unklar, ob die Attraktivität von Kryptoinvestments bei jungen Menschen Ursache oder Ergebnis der Neubewertung von Neoliberalismus ist.

Krypto-Neoliberalismus

Ganz am Anfang stand eine Idee: Die Blockchain demokratisiert das digitale Universum. Jeder kann teilnehmen, jeder soll sich einbringen und wird hierfür von allen entlohnt. Absolute Transparenz bei gleichzeitiger Anonymität ist der Schlüssel für den Erfolg einer Gemeinschaft, die ihre Regeln durch kooperatives Handeln selbst bestimmt.

Hierfür sorgt ein einfaches Paradigma:

Alles hat einen Preis!

Jede Transaktion auf der Blockchain wird abgerechnet. Je schwieriger die Operationen sind, desto teurer. Die Fees werden an Diejenigen verteilt, die die Blockchain betreiben. Das sind Miner und Staker.

Mining

BitCoin-Mining ist legendär. Spezielle Rechner lösen schwere Rechenaufgaben und errechnen so weitere Blöcke für die Blockchain. Der Schnellste gewinnt und darf den nächsten Block anfügen. Die Anderen bestätigen die Richtigkeit der Lösung. Als Belohnung erhalten die Miner BitCoins.

Profitabel ist Mining heute nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Vom ursprünglich demokratischen Ansatz ist nichts übrig geblieben. BitCoin-Mining ist libertäre Teilhabe.

Staking

Moderne Blockchains fordern ihre Benutzer auf, Stake-Money zu hinterlegen. Ein Algorithmus wählt unter den interessierten Nutzern zufällig aus, wer gemäß eines einfachen Protokolls einen Block an die Blockchain anfügen darf. Die Arbeit wird von anderen, ebenfalls ausgelosten Interessenten überprüft. Hierfür werden alle entlohnt.
Die Validatoren bürgen mit ihrem Stake-Money für die Einhaltung des Protokolls.

Staking ist ein demokratischer Prozess. Die Hürden für eine Teilnahme sind moderat.

Staking als Renditequelle

Es ist grundsätzlich möglich, einen eigenen Blockchain-Knoten zu betreiben und sich damit für das Staking zu bewerben. Voraussetzung ist eine zuverlässige Hardware und eine schnelle Internetanbindung. Die Software für den Betrieb eines Knotens ist Open-Source, es wird eine ausführliche Anleitung für die Installation und den Betrieb mitgeliefert. Man installiert eine private Wallet auf dem Staking-Computer, sendet sein Stake-Money dorthin und startet das Programm.

Privates Staking ist hochprofitabel, wenn regelmäßig Solarstrom aus einer PV-Anlage ins Netz eingespeist wird.

Es gibt zahlreiche Anbieter, die Staking als Service anbieten. Man kann einen Knoten in einer speziell konfigurierten Serverfarmen betreiben oder auch einem Dienstleister Stake-Money überweisen und ihm die Arbeit überlassen. Vorsicht ist auch hier geboten: Es ist zwar nicht möglich, dass der Staking-Dienstleister sich am Stake-Money selbst bedient. Erfolgt der Betrieb der Node nicht professionell, haften alle Investoren in den Staking-Pool für Ausfälle oder fehlerhafte Validierungen.

Pseudo-Staking

Klassisches Staken macht nur bei Prof of Stake Blockchains Sinn. Nur dort gibt es Validatoren, die für das Erzeugen neuer Blöcke belohnt werden.

Der Begriff wird aber auch für Marketing-Zwecke verwendet. In diesem Fall zieht es die Aufmerksamkeit von Kryptonutzern auf das so beworbene Krypto-Projekt. Die großen Blockchains haben Yield-Farming-Plattformen, die sich auf diese Art der Projekt-Werbung spezialisiert haben. Auf der Avalanche-Chain heist der Werbeplatz YieldYak, Solana hat Raydium, Cosmos und auf Algorand läuft Yieldy.

Beim »Staken« von Projektcoins werden weitere Coins in die Wallet gebucht. Die Renditen sind hoch; unter 30 Prozent werden in diesem Bereich kaum nachgefragt. Die »Rendite« wird in dem Projekt-Coin ausgezahlt. Das unterscheidet Yield-Farming von anderen Zinsprodukten.
Der Nutzen dieser Coins ist begrenzt. Mangels Liquidität ist ein Umtausch in eine andere Währung oder einen anderen Coin häufig nachteilig.

Pseudo-Stake-Pools auf der Plattform Yieldy im Dez. 2021

Staking bei Krypto-Börsen

Kraken ist die älteste Krypto-Börse der USA, sie gilt als eine der Sichersten.

Staking ist »auf Knopfdruck« verfügbar. Man kauft sein Stake-Money und weist es einem Pool zu. Nach etwa einer Stunde sind die Coins in den Staking-Pool eingefügt. Die Erträge werden in Echtzeit gutgeschrieben, über das Stake-Money kann täglich verfügt werden.

Die Renditen sind beachtlich1:

CoinEthereumPolkadotKusamaKavaTezosCardanoSolana 
Rendite5-7 %12 %12 %20 %5,5%4 - 6 %6.5%p.a.

Die meisten Krypto-Broker bieten Staking an. Die Angebote unterscheiden sich erheblich. Grundsätzlich gilt auch hier: Je höher die Rendite, desto fragwürdiger ist das Angebot.

Wichtig: Das Stake-Money ist allen Kursveränderungen der Kryptowährung ausgesetzt. Hohe Staking-Renditen kompensieren teilweise das Risiko starker Wertverluste durch Kursschwankungen. Staking macht insbesondere als Renditeboost für längerfristige Anlagen Sinn.

Nutzen

Blockchains sind das lebendige Paradox, in dem die Kombination aus Anonymität und gegenseitigem Mißtrauen ein extrem sicheres Gesamtsystem erschafft. Jeder kann sich an der Pflege der Blockchain beteiligen, es gibt keinerlei Zugangsrestriktionen für das Staking. Je mehr Nutzer sich am Validierungsprozess beteiligen, desto unwahrscheinlicher sind bösartige Attacken, desto zuverlässiger arbeitet die Blockchain.

Es liegt im Interesse aller, wenn die Verantwortung für das Anfügen korrekter Blöcke auf viele Schultern verteilt wird. Die Gemeinschaft profitiert, wenn das Staking möglichst attraktiv ist. Zur Finanzierung des Stakings zahlen alle für die Benutzung der Dienstleistungen der Blockchain. Je geringer diese Fees sind, desto attraktiver ist die Blockchain und desto besser können die Staker entlohnt werden.

Im Ergebnis bildet sich ein Gleichgewichtspreis für das Staking heraus. Populäre Blockchains können es sich leisten, geringe Renditen für das Staking zu bieten. Dann können Staker auch geringe Volatilitäten erwarten. Die üblich Relation zwischen Rendite und Risiko gilt also auch im Kryptomarkt.

Mitbestimmung / Governance

Der Sourcecode von Blockchains ist stets öffentlich (Open-Source). Jeder kann Verbesserungsvorschläge einbringen. Dazu kopiert man sich den Code auf seinen Rechner, pflegt die Veränderungen ein und schickt das Ganze mit einer Begründung zurück. Jede Blockchain verfügt über ein Protokoll, wie mit den Änderungsvorschlägen zu verfahren ist.

Allen gemein ist das Feature, dass an irgend einem Punkt die Betreiber der Staking-Knoten über die weitere Entwicklung der Blockchain abstimmen dürfen.

Ressourcen

(Letztes Update: 14. Januar 2022)

  1. Quelle: Kraken, 11.10.2021